Der Weg nach Cairns

Und endlich war es soweit, um 3Uhr morgen quälte ich mich müde aus meinem Bett. Ab ins Bad etwas frisch machen, und dann in die Küche zum Frühstück. Zwei Betrunkene, die die ganze Zeit lautstark in der Wäschekammer gesungen hatten, schleppten sich an mir vorbei ich in ihre Zimmer. Kurz vor 4Uhr verließ ich dann das Bambu durch den Hintereingang. Ich schaute mich noch einmal um und schloss schließlich hinter mir die Tür. Fünf Minuten später traf auch der Shuttlebus ein. Ich drückte dem Fahrer 15$ in die Hand und ab ging es durch das noch nächtliche Perth zum Flughafen. Da herrschte schon regen Treiben. Ich checkte ein, lief zu meinem Gate, setzte mich hin und kämpfte gegen meine schweren Augenlieder an. Nach einer Stunde konnte ich dann das Flugzeug betreten. Glücklicherweise hatte ich einen Fensterplatz bekommen. Die letzten Vorbereitungen für den Start wurden getroffen, das Bodenpersonal räumte das Feld und gab die Bahn für das Flugzeug frei. Triebwerke auf volle Kraft und wenige Sekunden später hob der blau rote Vogel ab in Richtung aufgehender Sonne, die sich langsam am Horizont hocharbeitet und ihre ersten Strahlen durch ein paar Wolken schickte. Ich schaute aus meinem Fenster und warf einen letzten Blick auf Perth. Während meiner Arbeit in der Recyclinganlage konnte ich die Flugzeuge beobachten, die vom Flughafen aus starteten und immer hatte ich mir gewünscht an Bord einer dieser Maschinen zu sein. Endlich war es auch für mich soweit, doch ich verließ die Stadt mit gemischten Gefühlen. Einerseits hatte ich hier viel Spaß und hatte viele Freunde gefunden, aber anderseits konnte ich die Stadt auch nicht mehr sehen. Der Alltag war einfach zu belastend geworden und der Drang weiter zu reisen wuchs mit jedem Tag.
Das Flugzeug stieg höher und höher, die Welt unter mir wurde kleiner und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich auch die Wolken von oben betrachten (auf meinem Hinflug hatte ich keinen Fensterplatz). Es war einfach atemberaubend, ein weißer Teppich durch dessen Löcher ich die Landschaft darunter sehen konnte. Nach ca. der Hälfte der Strecke flogen wir genau über Adelaide, keine Wolke verdeckte die Sicht und ich musste daran denken, wie damals mit Luca, Arne und den anderen in unserem Range Rover durch die Straßen fuhren. Ich dachte an die Zeit als wir Weintrauben im nahe gelegenen McLaren Vale gepflückt hatten und wie wir später für Doug die Festivalzelte auf- und abbauten. Ich dachte an die Leute die wir kennen gelernt hatten und an die vielen Strandbesuche. Alles schien schon eine Ewigkeit her gewesen zu sein aber ich erinnerte mich gern daran. Längst hatte ich die Streitigkeiten, die Meinungsverschiedenheiten und die ständigen Geldprobleme vergessen. Vielleicht haben mich meine Augen getäuscht, aber als ich weiter Richtung Süden schaute, hätte ich schwören können, Cap Jarvis zu sehen, von wo aus wir mit der Fähre nach Kangaroo Island übergesetzt hatten. Die Zeit auf Kangaroo Island fand ich, im Nachhinein gesehen, einen der besten und schönsten Momente während meiner bisherigen Reise.
Es dauerte keine 2Minuten und schon war von Adelaide und allem anderen nichts mehr zu sehen und ich richtete meine Gedanken wieder Richtung Ostküste. Ich fragte mich ständig, ob ich genügend Geld gespart hatte und wie ich am Besten bis nach Sydney kommen sollte. Alles war mir dazu einfiel war: Ich werde es abwarten müssen.
Zum Glück war der Sitz neben mir nicht besetzt und ich konnte meine Beine etwas ausstrecken. Es dauerte nicht lang und meine Augen fielen zu. Eine halbe Stund Schlaf war genug um wieder halbwegs fit zu werden. Nach etwas über 3Stunden steuerten wir den Flughafen von Sydney an. Wieder verhüllten nur wenige Wolken die Sicht auf diese unglaubliche Weltstadt. Sie erstreckte sich entlang der Küstelinie mit vielen Buchten und Inseln. Die Stadt war einfach riesig und wunderschön, irgendwie kam mir bei diesem Anblick das Spiel Sim City in den Sinn, denn ganz genau so sie aus. Als hätte jemand die Stadt in einem an einem Computer entworfen. Im Zentrum konnte man die Wolkenkratzer sehen und sogar das berühmte Opernhaus. In etwas über einem Monat würde ich mir die Stadt zusammen mit meiner Schwester ansehen, doch an diesem Tag würde ich während meines 2,5stündigen Zwischenstopps nur das Innere des Flughafens zu sehen bekommen. Ich schlug die Zeit tot indem ich etwas durch die Läden stöberte und mir ein Sandwich gönnte. Mein Flug nach Cairns hatte eine gute halbe Stunde Verspätung und die Sicht aus dem Fenster wurde durch eine kompakte Wolkendecke vermiest.

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