Der Weg nach Perth

Um 5Uhr morgens machten wir uns mal wieder auf den Weg. Es war kalt. Zum Glück hatte uns der Typ, der die Nachtschicht an der Rezeption schob, die zu viel gezahlte Nacht noch zurückerstattet. Wir hatten schon am Tag vorher versucht unser Geld zurückzubekommen, doch da hatten wir keine Chance. Mit 26$ mehr in der Tasche ging es los. Es war noch dunkel als wir Broome hinter uns ließen. Nach ein paar Kilometern zweigte auch schon der Great Northern Highway Richtung Süden ab. Unser erstes großes Ziel hieß Port Hedland, das 600km entfernt lag. Arne schlief noch etwas und ich fuhr. Es war irgendwie seltsam, dass wir uns auf so eine lange Fahrt nur zu zweit begeben. Aber es fühlte sich auch gut an, denn endlich ging es weiter. In sahen wir keine Zukunft und Perth lockte uns mit neuen Möglichkeiten und Herausforderungen. Mit der aufgehenden Sonne zu meiner Linken und der tief schwarzen Nacht zu meiner Rechten fuhren wir Kilometer um Kilometer.
Der Weg bis nach Port Hedland war nicht sonderlich spektakulär (um nicht zu sagen langweilig). Port Hedland machte seinen Ruf als Bergbau- und Industriestadt alle Ehre. Überall konnte man die Spuren des Bergbaus in Form von tiefen Kratern, endlosen Güterzügen, und dampfenden Industrieschloten erkennen. Eine riesige Salzgewinnungsanlage lag direkt vor den Toren der Stadt. Wir suchten nach einer Tankstelle um unseren Gastank wieder aufzufüllen. Erstaunlicherweise waren hier Benzin- und Gaspreise schon deutlich niedriger als in Broome. Wir machten noch einen Stopp am Supermarkt und versorgten uns mit Vorräten für die kommenden 1600km. Zweimal Iced-Coffee, zwei Dosen Ravioli, eine Packung Batterien für den FM Transmitter, ein türkisches Brot und etwas zu Knappern sollten reichen. Kurz hinter Port Hedland verzweigte sich der Highway in den Great Northern Highway und in den Great Ocean Highway. Da wir so schnell wie Möglich nach Perth wollten fiel die Wahl auf den Great Northern. Wir vertrieben uns die Zeit mit Themen über Gott und die Welt, machten Pläne was wir zuerst in Perth tun sollten und hörten stundenlang unsere Lieblingsmusik. Wir hatten Spaß und als dann auch noch die Landschaft interessanter wurde, hatten wir zum ersten Mal das Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Schade, dass wir keine Zeit hatten, denn der Krijini National Park war sicherlich das Highlight der ganzen Route. Der Highway führte bergauf und bergab, links- und rechtsherum durch sattgrüne, bewaldete Berge. Einige Regenwolken hingen tief und schwer und rangen mit der Sonne um die Vorherrschaft am Himmel. In Kombination mit den Bergen führte das zu dem einem oder anderen lohnenswerten Foto. Die Luft war klar und erfrischend, kein Vergleich zu dem schwülen und heißen Broome.
Auf der Höhe von Newman brach dann auch schon langsam die Nacht über uns herein. Da wir aber am nächsten Tag so früh wie möglich in Perth ankommen wollten, fuhren noch bis kurz vor Meekatharra weiter. Auf einem Rastplatz sortierten wir unser Gepäck um, so dass Arne auf dem Rücksitz und ich im Kofferraum schlafen konnten. Es war extrem kalt! Ich schlief in langen Klamotten und in zwei Schlafsäcken, doch trotzdem konnte man die Kälte noch spüren. Am nächsten Morgen war alles feucht von der kondensierten Luft, wir hatten kaum geschlafen. Wir packten unsere Sachen zusammen und fuhren weiter, immerhin hatten wir noch gute 700km vor uns. Nach ca. einer Stunde wärmte die aufgehende Sonne langsam unsere müden Körper. Wir passierten die Stadt Mt. Magnet und das Wetter wurde langsam schlechter. Je näher wir Perth kamen, desto niedriger wurden auch die Temperaturen, von den ca. 35Grad in Broome waren gerade mal noch 17 übrig geblieben. Dafür sanken aber die Benzinpreise dramatisch und Landschaft nahm fast schon mitteleuropäischen Charakter an. Alles war unglaublich grün, die vielen kleinen Ortschaften waren ordentlich herausgeputzt, ab und zu regnete es. Über Berg und Tal näherten wir uns immer weiter Perth. An den Straßenrändern tauchten immer wieder Mandarinen- und Orangenplantagen auf. Sofort dachten wir an das uns verhasste Fruitpicking, nein, niemals wieder!

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Stephan Mai 11, 2009 um 21:17

Ach Männers, da ward ihr einem der beeindruckendstes spots northwa’s so nah und habt ihn doch links(also eher rechts) liegen gelassen. Karijini is wirklich nen Umweg wert. Es heißt doch ni umsonst, der Weg ist das Ziel.

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