Goldrausch

Heute Abend habe ich einen kleinen Reisekoller. Wir waren zwei Tage lang kreuz und quer in den Goldfields nordwestlich von Melbourne unterwegs, um uns die Schauplätze des Goldrauschs (Mitte 19. Jahrhundert) anzusehen. Bendigo, Ballarat, Castlemaine, Maldon, Daylesford – man sieht diesen Städten mit ihrer überraschend noblen und monumentalen viktorianischen Architektur an, dass sie einmal groß und reich waren. In Bendigo haben wir gestern den ganzen Tag verbracht, um zu Bummeln, zu Fotografieren, eine ehemalige Goldmine zu besichtigen und der lokalen aber erstaunlich gut bestückten Kunstgalerie einen Besuch abzustatten (letzteren Programmpunkt absolvierte ich wie üblich allein). Diverse andere Touristenattraktionen, so die sprechende Straßenbahn, umgingen wir vorsorglich. Nach einer extrem kalten Nacht (5 Grad) konnten wir heute Morgen wieder ohne Gänsehaut im Freien frühstücken. Für dauerhafte Kälteperioden ist der Camper nicht gemacht. Tagsüber schien die Sonne auf die Goldfields, und wir gondelten durch Städte wie aus dem Westernfilm.
Diese Nacht verbringen wir auf einem Campareal im Nationalpark am Rande der Grampians, in denen wir morgen wandern wollen. Die Wetteraussichten sind nicht so rosig, was unsere Reisepläne etwas durcheinander bringt: Wir wollten uns von Mittwoch bis Sonnabend eigentlich viel Zeit lassen, um auf der Great Ocean Road, laut Orakel eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt, gen Melbourne zu touren und in aller Ruhe die vielen Felsformationen und kleineren Sehenswürdigkeiten zu bereisen. Bei Gelegenheit sollten halbe oder ganze Strandtage eingeschoben werden. Das Wetter könnte uns diese Pläne allerdings vermiesen.
Ab Sonntag ist ein Hostel in Melbourne gebucht. Wir haben der quirligen Stadt schon am vergangenen Sonnabend einen Besuch abgestattet. Robin kannte sie bereits, weil seine Reise hier begann, und ich war sofort von ihrem Charme angetan. Wir gerieten zunächst in eine X-mas-Parade (!), fanden uns mit Mühe wieder heraus und stürzten uns dann ins nächste Gewusel, den Queen Victoria Market. Dort wird vom Souvenirplunder über Fellstiefel bis zu halben Schweinen (geräuchert) wirklich alles verkauft.  Der Food-Bereich war eine einzige Einladung, sich sinnlos den Bauch vollzustopfen. Wir fuhren stattdessen hinaus nach St. Kilda, einen lebhaften Szene-Stadtteil mit tausend kleinen Lädchen und Kneipen, in dem auch unser Hostel liegt. Zum vorläufigen Melbourne-Abschied gabs ein Essen beim Chinesen, was Robin allerdings nicht gut bekam.
Mehr Zeit für Melbourne wird es am kommenden Wochenende geben. Für mich geht es danach schon zurück ins winterliche Deutschland, während Robin nach Christchurch fliegt, um noch drei Wochen in Neuseeland zu verbringen.

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