Hervey Bay und Fraser Island

Um 6Uhr morgens erreichte der Bus Hervey Bay. Der Shuttle Bus des Beaches Hostel in dem ich eingebucht hatte war über eine Stunde zu spät und als ich den Fahrer gesehen hatte, war mir auch klar warum. Aus dem Kleinbus taumelte ein kahl rasierter, dünner und blasser Mann von geschätzten 23Jahren. Seine Augen waren glasig verquollen und ließen keinen Zweifel daran, dass er in der letzten Nacht süße süße Gräser geraucht hatte, die ihn in andere Sphären getragen hatten. Er hatte sichtlich mit sich kämpfen und entschuldigte sich mehr Mals bei mir und den restlichen Backpackern, die ebenfalls in dem Hostel eingebucht hatten. Die anderen nahmen es mit Humor aber da ich der Nacht kein Auge zugemacht hatte und ich eine Stunde in Kälte auf ihn warten musste nahm es nicht ganz so gelassen. Ich hatte schwer mit mir zu kämpfen meinen Frust nicht mal freien Lauf zu lassen, entschied mich aber dann doch kein größeres Drama daraus zu machen.
Im Hostel hielt ich erstmal ein schönes Nickerchen, redete mit den anderen, die ebenfalls an der Fraser Island Tour teilnehmen sollten und packte meine Sachen für den nächsten Tag.
An diesem Abend ging ich zeitig zu Bett, ebenso die anderen. In Hervey Bay konnte man auch sonst nicht viel machen.
Am nächsten Morgen wurden alle die die Fraser Island Tour gebucht hatten, und in diesen Hostel schliefen in zwei Gruppen zu je 11Personen aufgeteilt. Von jedem wurden 20$ eingesammelt und zwei Einkäufer bestimmt, die die Ehre hatten das Essen für die gesamte Gruppe für die nächsten 3Tage einzukaufen. Auf dem Parkplatz des Hostels standen zwei Allradfahrzeuge für uns bereit, die wir zunächst zu dem Touranbieter fuhren, um eine Einweisung zu bekommen und die Fahrzeuge zu beladen.
Dann konnte es endlich losgehen. Nach ein paar Minuten erreichten wir die Fähre, die uns innerhalb von 30min nach Fraser Island übersetzte. Von da ab gab es nur noch Sandpisten, die uns zunächst auf die Ostseite der Insel brachten. Hier erwartete uns der berühmte 75Mile Beach. Ein Strand der scheinbar endlos war, und den wir eine gute Stunde lang in Richtung Norden fuhren.
Den ersten Halt machten wir am Wabby See. Nach gut 30min Fußmarsch erreichten wir den grünlich schimmernden See eingerahmt von dichtem Wald auf der einen Seite und einer meterhohen Sanddüne auf der anderen Seite. Das kühle Nass bot eine willkommene Erfrischung nach der langen Wanderung. Wieder zurück beim Auto gab es erstmal Mittagessen, bestehend aus Obst und Sandwichs. Der nächste Halt war am Eli Creek, einem kleinem Bach mit glasklarem und sehr kaltem Wasser. Nicht sonderlich beeindruckend aber es hat auch Spaß gemacht darin zu laufen. Den letzten Stopp für diesen Tag machten wir am Schiffsfrack der Maheno. Von den einstigen Frachter ist nur noch ein verrostetes Stahlskelett übrig, dass zur Hälfte bereits im Sand versunken war. Danach ging es ab zum Base Camp, wo wir unsere Zelte für die kommenden 2Nächte aufschlugen. Nachdem wir uns alle an einem Barbecue gestärkt hatten, gingen auch schon die Lichter aus. Die Lärmvorschriften waren sehr streng und so mussten wir uns kurz nach 9Uhr an den Strand zurückziehen, um uns noch weiter unterhalten zu können. Der Spaß hielt leider nicht sonderlich lang und der strahlende Vollmond wurde von dunklen Regenwolken bedeckt. In der Ferne konnte man bereits ein Gewitter toben sehen. Dieses streifte uns zum Glück nur und so bekamen wir nur ein paar Regentropfen ab. Diese reichten allerdings schon aus, um mich gründlich zu ärgern. Gerade als ich es mir nämlich im Zelt gemütlich gemacht hatte, tropfte es mir genau in mein Gesicht. Genervt versuchte ich mich aus der Bahn des nassen Übels zu robben. Trotz der erfolgreichen Flucht war mein Schlaf nicht sonderlich erholsam, denn die hauchdünne Isomatte, die man uns mitgegeben hatte, schützte nicht sonderlich gut vor dem unebenen Untergrund. Ziemlich müde krochen wir am nächsten Morgen aus unseren Zelten, der Himmel war bedeckt mit grauen, schweren Wolken, aber zumindest regnete es (noch) nicht. Nach dem Frühstück ging es weiter Richtung Norden, immer entlang des endlosen Strandes zum Indiens Head. Sobald man diesen bestiegen hatte, hatte man einen wunderbaren Ausblick auf das Meer und die umliegende Gegend. Aufgrund des glasklaren Wassers, konnte man sehr gut die Schatten von Schildkröten, Mantas, Haien und Delphinen erkennen. Das Schwimmen im Meer war leider rund um Fraser Island verboten, da das ganze Gebiet von Haien besetzt war.
Aber auch für dieses Problem fand sich eine Lösung, in Form der Champagne Pools. Diese natürlichen Schwimmbecken wurden durch die hohen Wellen des angrenzenden Meeres ständig mit neuem Wasser versorgt. Gleichzeitig wurden die gefährlichen Haie und Feueralgen ferngehalten. So konnte man also man also ohne Gefahr das kühle Nass genießen.
Zurück im Base Camp setzte der Regen ein, der für die nächsten 10Stunden(!) anhalten sollte. Nachdem ich für unsere 11Mann starke Gruppe gekocht hatte, wurde aus dem Nieselregen ein heftiger Sturm. Es regnete wie aus Eimern für die nächsten Stunden und ich machte mir Gedanken über unser Zelt, denn es hatte ja schon in der letzten Nacht hineingeregnet, und da war der Regen nicht einmal halb so stark. Nachdem wir den schlimmsten Teil des Regens in unserem Jeep ausgesessen hatten sollte sich meine Befürchtung bewahrheiten. Im Zelt hatten sich bereits einige kleinen Pfützen gebildet, denen ich auf Grund des nachlassenden Regens keine weitere Bedeutung zukommen lies. Ein schwerer Fehler, denn der Regen wurde wieder stärker und die Pfützen größer. Ich quetschte mich also ganz an den Rand des Zeltes, um zumindest dem größten Teil der Nässe zu umgehen. Am nächsten Morgen war der Regen vorbei und mein Schlafsack durchgeweicht. Prima!!!
Geschlafen hatte ich nicht sonderlich viel und ich war froh, als wir unsere Sachen mehr schlecht als recht wieder zusammenpackten. Mein kleiner Rucksack, indem ich meine Klamotten für die 3Tage untergebracht hatte war ebenfalls komplett durchgeweicht.
Nachdem wir alles verstaut hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Der starke Regen hatte den Strand total verändert und wir hatten sichtlich Mühe unser Auto durch ausgewaschene Bachlaufe, die tosende Brandung und den nassen Sand zu manövrieren. Aber es ging zum Glück alles gut, und so konnten wir einen der angeblich schönsten Seen der ganzen Welt bestaunen. Naja, so schön war der Lake McKennzie nun wirklich nicht. Zugegeben, der weiße Sand und das klare, blaugrüne Wasser war nicht schlecht, aber meiner Meinung nach nicht wirklich Weltklasse.
Zurück auf dem Festland gaben wir die Geländewagen wieder ab, diese wurden danach auf Kratzer und Dellen überprüft. Unser Auto war zum Glück okay, aber das Auto der anderen Gruppe hatte eine große Delle in der Motorhaube (wahrscheinlich weil jemand darauf gesessen hatte). Und so musste die andere Gruppe satte 500$ Strafe zahlen.
Nach einer erfrischenden Dusche und einem kleinen Nickerchen traf sich unsere Gruppe noch einmal um die letzten 3Tage mit einem Abendessen in einem italienischen Restaurant zu feiern. Solltet ihr jemals nach Hervey Bay kommen, dann müsst ihr unbedingt Doms Cafeteria besuchen. Das Restaurant bietet günstige Mahlzeiten für 10$ und der Besitzer spielt Wünschlieder auf seiner Gitarre und singt dazu. Ein super schöner Abend in einem schönen Laden mit guter Musik und guten Freunden. Ein perfekter Abschluss für einen verregneten Fraser Island Aufenthalt.

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