Küstenwechsel

Leider erwies sich auch die zweite Nacht als äußerst unangenehm. Es war wieder bitterkalt und das machte das schlafen so gut wie unmöglich. Als ich am Morgen meine steifen Glieder aus dem Zelt quälte, hatte sich der blaue Himmel des vergangenen Abends wieder verabschiedet und versteckte sich hinter einer dichten Wolkendecke. Die Kopfschmerzen und das Schwindelgefühl hatten sich nicht gebessert, im Gegenteil. Ich freute mich auf eine heiße Dusche. Ich hatte zwei Duschmünzen und jede von ihnen versprach mir 5min heißes Wasser. Doch leider war die erste Dusche anscheinend kaputt und so reduzierte sich meine Duschzeit auf die Hälfte, da ich die verschwendete Duschmünze nicht zurückbekam. Nachdem ich gefrühstückt hatte, setzte ich mich wieder in mein Auto und fuhr Richtung Westküste. Der Wetterbericht hatte schönes Wetter vorhergesagt, und so schien es mir nur logisch zu sein, diesem Wetter entgegen zu fahren. Unterwegs überlegte ich mir, ob es nicht irgendeinen Weg gab meinen Aufenthalt hier in Neuseeland zu kürzen, denn schon jetzt hatte ich die Schnauze gründlich voll. Das Umbuchen meiner beiden Jet Star Flüge zurück nach Perth hätte mich aber ein Vermögen gekostet, und so fügte ich mich in mein Schicksal. Über die kleinen Orte Oxford und Sheffield schaffte ich es zurück auf den Highway 73, welchen ich immer Richtung Westen folgte. Bald tauchte ich tief in die Bergwelt von Neuseeland ein. Viele von den Bergen waren nicht sonderlich hoch und so waren sie bis zu ihren Spitzen mit dichtem grünen Wald bewachsen. Die Straße schlängelte sich links und rechts hoch und runter durch die wunderschöne Landschaft, die mich irgendwie an die Alpen erinnerte. Vorbei an tiefblauen Bergseen bahnte ich mir meinen Weg immer weiter in Richtung des McArthur Passes. Mein 1.3Liter Hyundai mit den Steigungen immer wieder sichtliche Probleme und so musste ab und zu auch schon mal der zweite Gang her. Langsam lichtete sich die Wolkendecke und ich konnte einen von meinen beiden Pullovern ausziehen. Kurz vor der Stadt Greymouth entließen mich die Berge und übergaben mich der flachen Küstenregion. Noch immer brummte mir der Schädel aber wenigstens hatte sich meine Vermutung bestätigt, und der Himmel war strahlend blau und dementsprechend stiegen auch die Temperaturen. Ich wechselte zu kurzen Hosen und T-Shirt, kaufte ein paar Sachen ein und folgte dem Highway 6 in Richtung Süden. Dieser folgte wiederum parallel der Küste und bot einen herrlichen Ausblick auf das Meer, auf dessen Oberfläche gelbgolden die Sonne funkelte. Der Oldiesender „Solid Gold“ versorgte mich pausenlos mit Hits aus den 60ern und 70ern. Eigentlich wollte ich am Strand campen, doch das unmöglich, denn der komplette Küstenstreifen war von Farmern eingezäumt. Ein paar Kilometer nach der Stadt Hokitake lotste mich ein Schild auf einen Campingplatz. Dieser lag direkt am See Mahinapua und war ein so genannter „Conservation Park“. Diese Parks, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte folgten einem einfachen Prinzip. Je mehr Luxus, desto mehr musste man zahlen. Die über 200 Campingplätze dieser Art in Neuseeland waren alle unterschiedlich ausgestattet. Einige boten nur ein paar Bänke und eine Toilette, andere dagegen heiße Duschen und Kochmöglichkeiten. Die Kosten reichten von Gratis über 6$ bis zu 10$ pro Person und Nacht. Sie wurden aber direkt überwacht und so appellierte man an das Gewissen der Leute. Man sollte sich entweder in einem nahe gelegenen Touristeninformationszentrum, einen Shop oder durch hinterlassen des Betrages in einen dazu vorgesehenen Umschlag und ein paar der persönlichen Daten, anmelden. Da mir diesen Prinzip nach fremd war befolgte ich brav die regeln und meldete mich zunächst nur für 2Nächte an (geblieben bin ich letztendlich für 3Nächte). In der ersten Nacht auf dem Campingplatz bewährten sich die zwei zusätzlichen Decken, die ich mir vorher noch gekauft hatte, bestens. Es war zwar immer noch kalt und diese vielen Schichten aus Decken und Kleidung machten das Schlafen nicht sonderlich angenehm, aber wenigstens hatte ich mal mehr als nur 3 oder 4Stunden Schlaf. Nachts trug ich 2 Paar Socken, 2 Paar Hosen, 1 T-Shirt, 2 Pullover und meine Jacke. Dann deckte ich mich mit den beiden Decken zu und über alle dem kam dann noch mein Schlafsack. Sobald man sich jedoch drehte, kam die Kälte trotzdem durch und man musste sich wieder erstmal neu herrichten. Am 2.Tag hielt das gute Wetter an, und ich konnte endlich mal wieder ausgiebig Sonnenbaden. Ich schnappte mir meine Luftmatratze und paddelte auf den See hinaus. Ein paar Meter vom Ufer entfernt hielt ich mich an einer Wasserpflanze fest, um nicht abgetrieben zu werden. So verbrachte ich gut 4Stunden, lies mich von der Sonne richtig durchwärmen, frischte meine Bräune auf und genoss die wunderschöne Natur. Der See lag umrandet von dichten, tiefgrünen Wäldern. Dahinter legten sich malerisch die Berge, mir ihren weißen, schneebedeckten Gipfeln. In den Bergen hingen ständig dicke Wolken, die aber keinen Meter näher rückten. All das wurde von dem blauen Wasser des Sees widergespiegelt. Genau so hatte ich mir Neuseeland vorgestellt. In der Nachte wurde mein Schlaf von ein paar betrunkenen Halbstarken gestört, die die ganze Nacht feierten und über den Campingplatz grölten. Immer wieder hörte ich Schritte vor meinem Zelt die plötzlich verstummten. Mal wieder hatte ich nicht sonderlich viel Schlaf abbekommen und das Wetter trübte sich auch wieder ein. So fuhr ich nach Hokitake und ein paar Einkäufe zu erledigen und meine Mails zu checken. Zurück auf dem Campingplatz langweilte ich mich bis zum schlafen gehen. Dafür verbrachte ich die 3Nacht da ohne zu bezahlen.

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