Man gewöhnt sich daran

Am Anfang waren wir mit der Arbeit und vor allem der Unterkunft sehr unzufrieden. Aber man gewöhnte sich daran. Gegen die Kälte hatten wir uns ein paar Decken von Gordons Frau besorgt und den Holzofen in der Küche wieder flott gemacht. Dass man so weit weg von allem Anderen war störte uns auch nicht mehr, denn nach 10 bis 12 Stunden auf dem Feld oder an der Sortiermaschine hat man eh keine Lust mehr irgendwo hin zu gehen. Man macht ich einfach nur das Abendessen, geht duschen, quatscht etwas und geht schlafen. Gegen die Mäuse hatten wir Fallen aufgestellt, als Köter dienten die Stückchen eines alten, übrig gebliebenen Schnitzels. Damit hatten wir immerhin innerhalb von 7 Tagen 6 Mäuse gefangen.  Und auch mit Gordon kamen wir besser zurecht. Er war ein Individualist, dem sein Job und seine Kartoffeln extrem wichtig waren, so wichtig, dass er dafür seine eigene Gesundheit durch die viele Arbeit aufs Spiel setzte. Was er dagegen zu schätzen wusste war harte Arbeit und Arbeiter die seinen Anweisungen genauestens folge leisten. Da er aber einen relativ schwer verständlichen australischen Dialekt sprach war es nicht immer ganz einfach seine Anweisungen zu verstehen. Besonders schwierig wurde es, wenn er über CB-Funk mit einem sprach. Diese Geräte hatte er in allen seinen Autos und Maschinen, sowie in unserer Hütte. Nur das Klo war nach wie vor ekelig. Eigentlich ein Ort der Ruhe des Friedens sollte es zum längeren Verweilen einladen, doch hier machte man nur sein Geschäft und verschwand so schnell wie möglich wieder.
An dem Wochenende am Ende unserer zweiten Woche lud er uns zu einem Barbecue in seinem Haus aus ein. Wir hatten einen freien Tag hinter uns den wir damit verbrachten in Kingscote einzukaufen und uns Little Sahara und Seal Bay anzusehen. Da wir auch noch die Netzte einholen mussten, die wir am Morgen ausgelegt hatten um Yappies für das Barbecue zu fangen, war es bereits dunkel als wir am Haus von Gordon und Ann eintrafen. Sie hatten wir diesen Abend die Terrasse auf Vordermann gebracht. Die alten Möbel waren verschwunden, in der Mitte befand sich ein Tisch mit Stühlen an denen bereits die Mädels und Gordon saßen. Die Yappies warfen wir in einen Topf mit kochendem Wasser, und nach 5min Kochzeit in einen Eimer mit kaltem Wasser. Die Yappies gab es aber erst als Nachspeise, vorher gab es noch Salat, Pizzabrötchen, Kartoffelauflauf, Steaks und Würstchen, dazu Bier und Wein. Gordon erzählt viele Geschichten über andere Backpacker die bereits bei ihm gearbeitet hatten und über das Leben auf Kangaroo Island sowie eine Menge anderer Themen. Manchmal kam er einem dabei wie ein ganz anderer Mensch vor, denn auf dem Feld oder in der Lagerhalle hat man ihn nie so viel lachen oder Witze reißen sehen.
Zwei Tage später saß Gordon in dem kleineren Traktor als er mich plötzlich zu sich herzitierte. Ich sollte auf den kleinen Notsitz neben dem Fahrersitz platz nehmen. Er fuhr mit mir eine Weile zum anderen Ende des Feldes ohne ein Wort zu sagen. Dann begann er einen LKW-Anhänger abzuladen auf denen sich die leeren Holzkisten für die Kartoffeln befanden. Da ich immer noch untätig neben ihm saß fragte ich ihn was ich denn jetzt tun sollte. Er sagte nur: „Bleib sitzen und bewege dich nicht, ich denke!“. Etwas verwundert über diese Aussage blieb ich noch ein paar Minuten sitzen. Dann stellte er den Traktor ab und fragte: „Glaubst du du kannst den Traktor bedienen?“. Ich antwortete mit: „Ich denke schon.“. Er erklärte mit die Hebel und was ich in welcher Situation zu tun hatte und gab mir die Aufgabe die leeren Kisten von einem Ende des Feldes an das andere zu fahren wo die Erntemaschine stand. Ich sollte immer zwei Kisten auf die hintere Gabel und eine Kiste auf die Vordere nehmen. Gar nicht so einfach wenn man das noch nie gemacht hat, denn die Sicht sowohl nach vorn als auch nach hinten war sehr eingeschränkt. Das tat ich dann für den Rest des Tages. Bis auf eine gerade Reihe, in der ich die Kisten nacheinander stapeln sollte, verlief alles ohne größere Probleme. Zufrieden mit der Anzahl der geernteten Kisten und meiner Traktorarbeit schickte er uns nach Hause.
Am nächsten Morgen schickte er mich gleich mit dem Traktor zum entladen eines neuen Anhängers. Diesmal waren allerdings drei Kisten auf einmal nur auf dem vorderen Lift zu Händeln. Ein paar Minuten später kam es wie es kommen musste, beim herunterheben der Kisten von dem Anhänger viel eine der obersten Boxen herunter. Ich gab Gordon über Funk über mein Missgeschick bescheid, doch erstaunlicherweise war alles was er fragte, die Kiste noch ganz sei. Da sie es war, meinte er nur, dass ich etwas besser auf die oberen Kisten aufpassen solle. Eigentlich hatte ich mit einem ziemlichen Arschtritt gerechnet. Nach dem Mittag sollte ich dann ebenfalls mit auf der Erntemaschine helfen.
Am Ende des Tages waren ca. 1Hektar geerntet und 64 Kisten gefüllt. Darauf gab Gordon ein Bier aus, denn so viele Kisten in der relativ kurzen Zeit hatten sie bis dahin noch nie geerntet.
Für die nächsten zwei Tage ging es dann wieder zurück in die Lagerhalle zum Kartoffelsortieren.

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Karin April 12, 2008 um 14:27

Wenn ihr den ganzen Tag von Karoffeln umgeben seit, habt ihr denn schon mal Karoffelpuffer gemacht? Luca kann die echt gut! …oder ist euch der Appetit drauf vergangen, nie wieder Kartoffel? Welche Sorte habt ihr denn geerntet? Alles Liebe und gutes Schaffen K.

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