Pearling in den Kimberleys

Für ein halbes Jahr arbeitete ich in meiner Backpacker-Zeit in Australien auf einer Perlenfarm von Paspaley und ging mit einem plus von A$ 25.000,00 (Australische Dollar) und unbezahlbaren Eindrücken aus dieser Zeit heraus.

Was ist Pearling?

Auf einer Perlenfarm werden Perlen in Austern kultiviert. In natürlichen Umständen wachsen in Austern nur sehr Selten Perlen – auf einer Perlenfarm werden in die Austern kleine Rohlinge einoperiert. Um diese formt die Auster dann eine glänzende Schicht (Perlmutt).perlen

Arbeit auf einer Perlenfarm

Auf einer Perlenfarm gibt es eine Vielzahl an Jobs. Man kann entweder für die Flotte arbeiten, welche hauptsächlich in der Erntezeit aktiv ist, um beim Ernte- und Operationsprozess zu helfen, oder man kann direkt auf der Farm arbeiten. Auch Taucher gibt es, die nach den jungen Muscheln am Meeresboden suchen, doch hierzu benötigt man einige Qualifikationen wie z.B. einen „industrial Diver“ Tauchschein. In meinem Bericht gehe ich auf die Arbeit als Shell-Chipper auf einer Perlenfarm ein.

Was ist ein Shell-Chipper?

Shell-Chipper heisst übersetzt “Muschel-Kratzer” – und damit wäre auch der Hauptteil der Arbeit beschrieben.boot
Da die Austern in Netzen hängen und sich somit nicht bewegen können, wachsen allerlei Gewächse und andere Muscheln über die Lippen der Perlenauster. Dies würde sie mit der Zeit töten, da die anderen Gewächse in die Auster eindringen.
Um die Perlenauster also am Leben zu erhalten, muss sie regelmäßig gereinigt werden (i.d.R. alle 14 Tage).

Dazu zieht ein Crewmitglied die Netze aus dem Wasser und schiebt sie in eine Reinigungsmaschine. Die Reinigungsmaschine ist nichts anderes als ein Hochdruckreiniger, der den groben Dreck und Schlamm von den Panels und Austern wegpustet. Allerdings bleiben feste Gräser und Muscheln an der Auster haften. Nachdem das Panel durch die Reinigungsmaschine ist, kommt es also auf einen Tisch. An jeder Seite des Tisches steht eine Person mit einem “Chipper”, was eine art Spachtel ist. Mit diesem Chipper werden nun andere Muscheln und Gewächse von den Lippen der Auster gekratzt, so dass diese wieder ohne Probleme weiterleben und wachsen kann.

Das Leben auf einem Schiff

paspaleyDie Arbeit an sich wird natürlich wie fast jede anderer Job mit der Weile relativ eintönig. Doch das leben auf einem Schiff bringt in dieser Hinsicht einige Vorteile mit sich. Es gab selten einen Tag an dem ich nicht irgend etwas aufregendes erlebt habe. Ich habe in meinen 6 Monaten auf der Farm unzählige Fische, Haie, Delfine, Krokodile und Schildkröten oder gar den ein oder anderen Wal gesehen.
Doch nicht nur die Tiere, auch die Natur ist einzigartig. Teilweise konnten wir mit einem der Speedboote nach der Arbeit an die umliegenden Strände fahren, Höhlenmalereien besichtigen, oder einfach einfach mal fischen gehen.

Mittagspause beim Pearling – Video

Eine normale Mittagspause auf der Perlenfarm – Haie fangen und Delphine beobachten.

Die Sache mit dem Wasserflugzeug

Als Backpacker werdet ihr wohl die „scenic flight“ Werbung kennen. flugzeugFür ca. A$ 200-500 darf man mit einem kleinen Flugzeug für 1 Stunde über die Kimberleys oder andere Nationalparks fliegen – dies ist selten etwas für den Geldbeutel eines Backpackers.
Doch das ist noch lange kein Grund so etwas nicht erleben zu können – ihr werdet dies bei der Arbeit auf einer Perlenfarm jede Woche einmal kostenlos bekommen.

Die Farmen befinden sich an der Küste der Kimberleys zwischen Broome und Darwin. Etwa 700 Km Küstenlinie wird man also alle 2 Wochen auf die Farm im Firmeneigenen Wasserflugzeug geflogen. Denn auf einer Farm gilt die “2 Weeks on, 1 Week off” Regel. Man arbeitet 2 Wochen auf der Farm und hat anschliessend 1 Woche Pause in Darwin. Der Flug dauert ca. 1-2 Stunden und geht direkt über die Küstenlinie. Man sieht tausende von Inseln und alle erträumbaren Blautöne des Wassers.

Harvest – die Erntezeit

Zwischen Juni und Oktober werden die Farmen geerntet. Hierzu werden alle Muscheln auf ein großes Ernteboot geschaffen um dort operiert zu werden. Speziell ausgebildete Techniker operieren die fertige Perle aus der Auster heraus und pflanzen einen neuen Rohling ein. Diese frisch operierte Muschel bleibt dann für 2 Jahre im Wasser bis sie wieder geerntet wird.strand
Zur Erntezeit kommen auf alle Arbeiter der Farm neue Aufgaben zu. Dies stellt eine gute Abwechslung zum Farm-Alltag dar: Die Muscheln müssen aus den Panels genommen werden, in dafür vorgesehenen Kisten gestapelt werden und schliesslich zum großen Boot transportiert werden.

Das Gehalt bei Paspaley

Das Gehalt beim Pearling ist natürlich ganz von der Firma für die man arbeitet abhängig. Genau kann ich nur über das Gehalt bei Paspaley Pearls berichten. Dort wird man auf täglicher Basis bezahlt, welche für Einsteiger bei A$ 190, und für “experienced Deckhand” bei A$ 230 pro Tag liegt (ich galt nach 3 Monaten als “experienced”).

Warum man beim Pearling viel Sparen kann

Schaut man sich das Gehalt eines “Chippers” von ca. A$ 19 pro Stunde an, so könnte man denken dass dieser Job nicht besser bezahlt sei als andere Jobs. Doch es gibt zwei große Vorteile gegenüber anderen Jobs, die das Geld sparen sehr viel einfacher machen:

  1. Unterkunft – Auf der Farm lebt man entweder auf dem Schiff oder in den Bungalows (wenn landbasiert) der Firma. So muss man kein Geld für ein Hostel ausgeben, was das Konto entsprechend schont.
  2. Verpflegung – Wie die Firma die Unterkunft stellt, so verpflegt sie die Arbeiter auch mit Nahrung. Pro Tag bekommt man 3 warme Mahlzeiten, sowie kostenlose Sandwiches und Früchte. Die Qualität des Essens ist sehr gut.

Diese laufenden Kosten hat man natürlich bei einem Job in der Stadt immer zu bezahlen. Rechnet man also diese noch auf das Gehalt drauf, so kommt man auf einen recht großen Vorteil gegenüber einem gewöhnlichem Job. Ausserdem kommt noch dazu, dass man in solch einer isolierten Umgebung keine Chance hat Geld auszugeben, man spart also 100% des Gehaltes.

Keine Träumereien

Natürlich geht es hier nicht um einen Traumjob wie den Inselhüter Job an der Ostküste Australiens. Auf einer Perlenfarm wird hart gearbeitet – um genau zu sein etwa 10 Stunden pro Tag. Es ist selbstverständlich nicht für jeden der “Traumjob”. Wenn du auf einer Perlenfarm arbeiten willst, solltest du dich nicht vor langen Arbeitstagen und frühen Morgen scheuen.

Wo muss ich unterschreiben?

Um an einen solchen Job zu kommen, musst du dich gegen die Masse deiner Mitbewerber durchsetzen. Vorallem in der Erntezeit stellen die Pearling Firmen neue Mitarbeiter – und auch gerne Backpacker ein. In der „normalen“ Saison sieht es für Backpacker schon eher mager aus, denn hier werden bevorzugt einheimische, oder Leute die mindestens einen 6-Monatigen Vertrag unterschreiben eingestellt.

Die beiden Pearling Metropolen sind Broome und Darwin. Die meisten kleineren Pearling Firmen sitzen in Broome, wobei die Größte Pearling Firma „Paspaley Pearls“ ihren Hauptsitz in Darwin hat. Um euch zu bewerben geht ihr einfach ich das Büro und fragt nach einem Application Form, in dem ihr Angaben zu eurer Person, sowie Jobrelevanten Erfahrungen machen müsst. Habt ihr das Glück und werdet genommen, müsst ihr nurnoch einen Medical Check überstehen und ihr habt einen neuen Job!

{ 27 comments… read them below or add one }

Anne-Sophie Juli 21, 2009 um 04:34

hey

super artikel!
hast du n tipp ob ich mich auch online bewerben kann weil ich nicht in darwin bin?!

Antworten

Luca August 21, 2009 um 13:25

Hey,

eine Online-Bewerbung gibt es nicht soweit ich weiss!

Grüße, Luca

Antworten

Ruth August 15, 2009 um 10:07

hey ich habe dein bericht gelesen. Bin momentan in Cairns, und suche ebenfalls nach arbeit. Habe das schon von einem kumpel gehoert. Und wuerde auch gerne sowas in der richtung machen. Kannst du mir eine Telefonnummer oder eine Adresse geben? das waere total nett.
kannst mir ja einfach eine mail schreiben.
muss ich um mich dafuer zu bewerben nach Darwin fahren.
vielen danke, Liebe Gruesse

ruth

Antworten

Luca August 21, 2009 um 13:25

Ja, du musst in Darwin oder Broome sein zum Bewerben.

Eine Telefonnummer habe ich gerade nicht zur Hand, schaue doch mal auf http://www.paspaley.com

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Karina August 17, 2009 um 13:56

Hallo!
Toller Bericht!
Wird die Arbeit bei einer Perlenfarm auch für das zweite Visum angesehen?
Vielen Dank,
Karina

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Luca August 17, 2009 um 14:00

Ja, Wird Sie!

Viele Grüße,
Luca

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Karina August 18, 2009 um 16:20

Danke für die schnelle Antwort! 🙂
Karina

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c-style August 21, 2009 um 13:22

hallo, ein ganz toller bericht!!! ich befinde mich gerade in darwin und habe die absicht, so einen job zu machen.
nur eine frage, was beinhaltet der medical check, was genau wuerd da gecheckt?
auf eine antwort wuerde ich mich freuen, danke!

liebe gruesse

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Luca August 21, 2009 um 13:28

Der Medical Check ist glaube ich jedes mal recht unterschiedlich.

Ich musste zB. einen kleinen Hör- und Sehtest machen. Zusätzlich wurde bei körperlicher Aktion der Blutdruck gemessen (zB. Treppensteigen, Gewichte heben etc.)

Grüße aus Queensland

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c-style August 22, 2009 um 09:33

danke fuer die schnelle antwort! wir werden uns morgen mal erkundigen!
liebe gruesse

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Tobias November 18, 2009 um 07:30

Hey Luca, danke für die super Beschreibung und klingt wahnsinnig aufregend! Werde vorraussichtlich Mitte Janaur nach Australien fliegen, da ich momentan noch in Edinburgh bin. Habe letztes Jahr mein Abitur gemacht und noch keine Arbeitserfahrungen und bin 20 Jahre. WOllte eig. nach Melbourne fliegn. Hälst du es für sinnvoll mit meinen Kriterien die Strecke von Melbourne zum Perlenfarmerbüro auf sich zu nehmen?

In welcher Zeit warst du denn dort bzw. was waren deine Vorraussetzungen + Erfahrungen!

Ich weiß viele Fragen aber muss dies unbedingt wissen…

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Robin Dezember 10, 2009 um 14:59

Hi Tobias,

in der Regel sind Melbourne und Sydney sehr gute Startpunkte, da an diesen Orten viele Backpacker unterwegs sind und man schnell Anschluß oder ein Auto findet.
Auf die Perlenfarm kann eigentlich jeder der Seefest und einigermaßen in Form ist.
Im Norden von Australien gibt es nur zwei Jahreszeiten, Trockenzeit und Regenzeit. In der Regenzeit ist da so gut wie nichts los aber man findet einfacher Jobs. Wenn die Trockenzeit angebrochen ist ziehen die Backpacker in Massen gen Norden und dementsprechend sind auch die Pearlingjobs schnell vergeben.

Grüße,
Robin

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Stephan Schwarzmann November 29, 2009 um 11:25

Hallo Luca,

Ich würde gerne im Mai nach Australien gehen und erstmal dort noch Geld verdienen. Da dann „Erntezeit“ ist, würde es sich anbieten direkt nach Darwin zu fliegen und mit dem Pearling zu starten.
Gibt es in den freien Wochen eine günstige Möglichkeit zum Wohnen, oder muss man in ein Hostel?

Gruß aus D, Stephan

Antworten

Robin Dezember 10, 2009 um 15:03

Hi Stephan,

wie ich schon zu Tobias sagte, halte ich die großen Städte wie Melbourne, Brisbaine oder Sydney für die besseren Startpunkt. Willst du allerdings so früh wie Möglich mit dem Pearling anfangen würde ich dir raten in Perth zu starten. Die Autos sind da sehr günstig, es gibt (im Notfall) gute Jobs und selbstverständlich auch Inlandsflüge nach Darwin.
Wenn man eine Woche off hat würde ich dir raten in ein Hostel zu gehen.

Grüße,
Robin

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Daniel August 4, 2010 um 13:46

Hallo!

Ich bin ab Mitte September in Australien. Ist das eine günstige Zeit für Pearling?
Und man kann sich echt nur vor Ort bewerben?

Gruß

Daniel

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Daniel August 7, 2010 um 11:08

Wie sieht es denn ab Mitte September mit Pearling aus. sind die Chancen dann gut??

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David März 21, 2011 um 22:23

Hey,
gab es damals die Vorschrift noch nicht, dass man nur 6 Wochen bei einem Arbeitgeber arbeiten darf oder gibt es von dieser Vorschrift Ausnahmen ?
Grüße

Antworten

petra Mai 26, 2011 um 10:19

hallooo!!!!
bin nun seit ner woche in broome und brauch unbedingt kontaktadreesen für die pearlingjobs, egal wo ich geguckt hab, bin immer irg nur weitergeleitet wurden. wäre superlieb, wenn du mir eine gute kontaktinformation geben könntest. ich würd es nämlich superschön finden auf einem schiff arbeiten zu dürfen.
liebe grüße petra

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Yannic Mai 26, 2011 um 23:27

Hey Luca,
Cooler Bericht.
Fliege mit einem Kumpel ende September nach Darwin. Siehts da mit Pearling Jobs schon gut aus und kommt man auch zusammen auf ein Schiff? Wir wollte allerdings nur so 3-4 Wochen bleiben. Kriegt man auch Jobs für so kurze Zeit? Und wie sieht das mit der Sicherheit auf. Will nicht gleich am Anfang meines Urlaubs mich schrotten.
Danke für deine Hilfe,
Gruß,
Yannic

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Babel Juli 15, 2011 um 14:29

saaaag mal wo sind denn die „Büros“ von den Farmen? Sind das richtige Offices oder einfach die jeweller shops? so was das nämlich in Denham auf der kleinen Perlenfarm Blue Lagoon Pearls… 🙂

thx,
Kim

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auchnureinbackpacker Dezember 11, 2011 um 12:13

kinders goooglet doch einfach mal und lasst dem armen autor seine ruhe…

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auchnureinbackpacker Dezember 11, 2011 um 12:14

und danke für den artikel, luca!

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backpacker2012 März 6, 2012 um 12:04

hallo, ich wollte mich nur mal erkundigen, wie du das geld mit nach deutschland genommen hast. ich habe nämlich jetzt auch das problem, dass ich so einiges mehr als 10000 AUD zusammengespart habe nur darf man je nur einen betrag von 10000 EURONEN einfliegen. gibt es vielleicht eine möglichkeit mehr mitzunehmen.
Bitte dringend um hilfe…

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Luca März 7, 2012 um 18:14

du darfst mehr als 10k mit einfliegen, musst es dann nur anmelden. alles unter 10k ist nicht anmeldepflichtig. zudem kannst du es einfach auf ein bankkonto in australien lassen und dann nach deutschland überweisen.

Antworten

backpacker2012 März 8, 2012 um 11:24

danke vielmals 🙂
muss mann das geld dann wieder versteuern? es sind etwas über 20000EUR. und was ist denn wenn man so einen betrag überweißt, wie sehen die genühren dann aus und wird es dann vom finanzamt überprüft? fragen über fragen 🙂 bin echt für eure hilfe dankbar

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Beelzebub November 10, 2013 um 15:34

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Swantje August 8, 2016 um 20:32

Hey
Super informativer Artikel!
Ich hab aber noch ein paar Fragen.
Zum Beispiel wann bist du dort gewesen (welche Monate) wegen Regenzeit und so und wie sah der medical check aus? Weil ich hab Asthma und würde sonst gar nicht erst nach Darwin fliegen wenn die sowieso keine leute mit Asthma einstellen.
Wie lange warst du noch in Australien danach und hat das Geld gereicht?
Vielen Dank für deine Antworten 🙂
Swantje

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