Rausschmeißer

Australien will uns loswerden. Es gab in den vergangenen Tagen ein paar untrügliche Zeichen, die diesen Schluss nahe legen. Die Nacht in Torcquay war eine unruhige, weil irgendwann – wir schliefen längst – jemand ziemlich vehement gegen unseren Camper hämmerte. Bis wir uns halbwegs berappelt hatten und vorsichtig durch die Gardinen schielten, war schon niemand mehr zu sehen. Wir rätselten eine Weile herum – Polizei schlossen wir aus, weil die sicher noch ein paar freundliche Worte gesagt hätte, statt nur zu klopfen. Die Sache war ein wenig gruselig, und es dauerte eine Weile, bis wir wieder einschlafen konnten.
Der nächste Tag blieb grau in grau, und zum schon gewohnten Nieselregen war noch ein schöner Sturm hinzugekommen. Das Frühstück musste dementsprechend im Camper stattfinden – sehr schade eigentlich, denn wir hatten fast unmittelbar am Meer genächtigt und einen Standplatz mit schönem Ozeanblick. Allerdings hatte ich schon Mühe, das Rührei, das ich schnell auf einer Barbecue-Platte gebrutzelt hatte, von dort bis zum Auto zu bringen, ohne dass der Wind es  in alle Himmelsrichtungen wehte. Die Einwohner von Torquay waren weniger zimperlich und absolvierten unbeeindruckt vom Wetter ihr Sportprogramm: Die Kanuten hatten ihre Trainingseinheit bereits hinter sich, als wir aufwachten, schnallten ihre Boote aufs Dach und fuhren heim zum Frühstücken. Es folgten die Schwimmer, die sich mit einer Joggingeinheit am Strand warm machten und sich dann ins Wasser stürzten (bei 10 Grad Außentemperatur wohlgemerkt), und währenddessen setzten bereits die Server ihr Equipment zusammen.
Wie sich das gehört für einen Regentag, verbrachten wir den Sonnabend in einem Einkaufszentrum in Geelong. In einem riesigen, wohl sortierten Borders-Buchladen konnte ich sogar einige Weihnachtspräsente einkaufen. Abendessen gabs bei Noodle Box (was diesmal auch Robins Magen wohlwollend registrierte), und anschließend gingen wir ins Kino, um uns den frisch angelaufenen James Bond anzusehen. Der Film riss uns beide nicht von den Stühlen, allerdings waren wir uns einig, dass Daniel Craig im Vergleich zu Pierce Brosnan der spannendere 007 ist, nicht allzu gentlemanlike, sondern zumindest einen Tick bad.
Erst gegen acht verließen wir Geelong und fuhren Melbourn, wo wir heute unseren Camper zurückgeben mussten, noch ein Stück entgegen. Im Dunkeln und bei Regen suchten wir lange nach einem geeigneten Nachtplatz. Wir fanden ihn schließlich in Altona, einem Vorort von Melbourne, wobei wir schon nicht mehr nach idealen Bedingungen wie Toiletten, Ruhe etc. Ausschau hielten, sondern einfach nur noch irgendwo parken wollten. Wir fuhren die gesamte Bucht ab, die Straße verlief unmittelbar am Strand entlang. Der Sturm peitschte das Meer auf und drückte die Gischt über die flache Küstenmauer auf die Straße, sodass wir teilweise nicht mehr unterscheiden konnten, ob unser Auto nun von Regen- oder von Meerwasser geduscht wurde. Das war nur noch zum Abgewöhnen. Wir stoppten am äußersten Ende der Küstenstraße, wechselten schnell und mit möglichst geringem Wärmeverlust von der Fahrerkabine ins Schlafzimmer und fragten uns besorgt, was wohl am nächsten Morgen noch passieren könnte. Schnee? Während draußen der Sturm und das schäumende Meer um die Wette lärmten und unser Auto von Böen hin und her geschaukelt wurde, verträumten wir die letzte Nacht im Camper.
Inzwischen haben wir den Wagen zurückgegeben und im Cooee, einem vergleichsweise schnieken Hostel in St. Kilda / Melbourne, eingecheckt. Ich brüte an einer kleinen Erkältung herum, die mir morgen hoffentlich nicht den letzten Urlaubstag ruinieren wird. Ich möchte die knappe Zeit nutzen, um kreuz und quer durch die Stadt zu tingeln und zu fahren (das geht mit einem sehr kostengünstigen Tagesticket für den kompletten öffentlichen Nahverkehr), zu fotografieren und noch ein paar Lädchen zu besuchen. Das Wetter wird besser, heute gab es schon mehrere Stunden Sonne am Stück. Für den Abend haben wir ein Abschiedsessen geplant. Robin fliegt dann am Dienstagmorgen schon 6 Uhr nach Christchurch, während mein Flug gen Heimat erst am frühen Nachmittag startet. Mir bleibt also Zeit, mich langsam von Australien zu verabschieden, und ich werde das in einem Frühstückscafé am Strand von St. Kilda tun, das ich mir heute schon ausgesucht habe. Zwischenzeitlich kam aus der Heimat die Nachricht, dass Schneestürme gerade das öffentliche Leben lahm legen, und der Flughafen von Frankfurt zeitweise gesperrt war. Was solls – bleibe ich eben noch ein paar Tage.

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