Und wieder hilft der Zufall

Es war der letzte Arbeitstag vor Ostern als wir nach getaner Arbeit in unser Auto stiegen und uns fragten, wie es denn jetzt weitergehen sollte? Wir hatten nicht genug Geld um nach Perth zu kommen aber wir wollten hier unbedingt weg, denn wir hatten langsam genug von Adelaide. In dem Moment schaute Arne auf sein Handy und stellt fest, dass er einen Anruf verpasst hatte. Er kam von Cream of the Crops, dem Büro das uns vor einigen Wochen den Job als Grapepicker vermittelt hatte. Sie hatten einen neuen Job für uns. Rein zufällig war es ein Tracktorfahrerjob (tractordriver) auf einer Kartoffelfarm auf Kangaroo Island. Wir konnten es nicht fassen, denn bevor wir nach Perth fahren wollten, wollten wir uns unbedingt noch diese Insel südlich von Adelaide ansehen. Die Farm ist mitten im Nirgendwo, 40km von der nächsten Stadt entfernt, aber dafür waren die Übernachtungen gratis. Wir überlegten nicht lange und sagten zu. Ist schon echt verrückt wie das Leben so mach mal spielt. In der einen Minute hat man keine Ahnung wie es weitergehen soll und ein kleiner Telefonanruf später ist wieder alles bestens.
Aber noch stand uns ein Problem bevor, denn wir wollten unser Auto noch zur Durchsicht schaffen. Da wir allerdings schon 4 Tage später auf Känguru Island anfangen sollten, waren wir etwas in Eile. Wir fuhren nach Willunga wo es einen Rang Rover Experten geben sollte. In einer kleinen Garage, direkt neben einer Tankstelle wurden wir fündig. Dieser war aber leider komplett ausgebucht und da die Feiertage vor der Tür standen konnte er es uns auch nicht in den nächsten Tagen dazwischen schieben. Er verwies uns auf einen Gasexperten in der Nähe, wir telefonierten miteinander und machten einen Termin zwei Tage später aus. Der nächste Tag war nicht sonderlich spektakulär, wir buchten unser Ticket für die Fähre nach Kangaroo Island und genossen das kalte aber dennoch schöne Wetter am Strand.
Da der Termin in der Werkstatt bereits um 8:30Uhr war mussten wir mal wieder um 6Uhr aufstehen. Mit einem mulmigen Gefühl fuhren wir der Wegbeschreibung nach, die uns der Range Rover Experte gegeben hatte. Direkt an einer Hauptstraße kurz nach einer Kreuzung fanden wir den abgeschnittenen Gastank der jetzt seinen Dienst als Briefkasten tat und  gleichzeitig die Einfahrt zu seinem Grundstück markierte. Wir waren etwas früh dran und daher begrüßte uns zunächst ein kleiner aber wild um sich kläffender Hund der unsere Ankunft wohl als Verletzung seines Territoriums ansah. Kurze Zeit später kam ein Mann aus dem Haus und stellte sich als Brett vor. Wunderbar, genau der Mann den wir gesucht hatten.
Er öffnete das Garagentor und hervor kam eine ziemlich chaotische Werkstatt, die aber anscheinend alles hatte was man so für das übliche Alltagsgeschäft braucht. Er stellte uns die typischen Fragen: Wo liegt genau das Problem? Wann ist es aufgetreten? Wo kommt ihr her und was macht ihr so?
Nach drei Probefahrten, unter anderem auch auf seinem Grundstück wo er eine eigene kleine Geländetestsrecke hatte, einer Abgasuntersuchung, einem Kabelcheck und einem Lecktest später hatte er folgendes Fazit für uns: „Euer Auto hat einen sehr schwachen Motor, das Getriebe ist scheiße und die Gasanlage ist ein eher unübliches Modell an das er ungern Hand anlegen würde. Doch dafür ist das Fahrwerk sehr gut und das Auto ist hervorragend für Abstecher ins Gelände geeignet, da es nahezu unkaputtbar ist.“ Was unser Gas anging, zwar funktionierte es wieder nach dem er ein paar Kabel die anscheinend einen Wackelkontakt hatten wieder repariert hatte aber dennoch ist das Treibstoffgemisch extrem instabil und dagegen konnte oder wollte er auch nichts tun. Naja, Hauptsache das Auto bringt uns noch dahin wo wir hinwollen, dachten wir uns. Noch schnell 83$ auf den Tisch des Hauses gelegt und zurück zum Campingplatz gefahren.
Wir mussten auch noch einkaufen, da man uns dringend geraten hatte, auf die Kartoffelfarm genug Essen und Trinken mitzunehmen, da sie, wie bereits erwähnt, 40km außerhalb des nächsten Ortes lag. In einem Woolworth hatten wir dann für knappe 80$ genug Fertigessen für die nächste Woche eingekauft, so hofften wir zumindest.
Außerdem nutzten wir Zeit um uns mal wieder mit Daniel, unserem Arbeitgeber vom Abbau der Rod Stewart Stage, in Verbindung zu setzten. Er schuldete uns nämlich immer noch das Geld für den Tag Arbeit von damals. Wir hatten zwar vorher versucht uns mit ihm in Verbindung zu setzen aber entweder ging er nicht an sein Telefon oder er machte mit uns einen Treffpunkt aus und tauchte dann nicht auf. Diesmal sollten wir ihm unsere Bankdaten hinterlassen, damit er uns das Geld überweisen kann. Wir wollten unser Geld aber lieber Cash auf die Hand, denn wir trauten ihm kein Stück über den Weg. Außerdem wollte er uns nur 120$ pro Person bezahlen, und das für 9 Stunden arbeit. Ich habe kein Mathe studiert aber meiner Meinung nach liegt der Stundenlohn demnach weit unterhalb von 25$. Wir überlegten wie wir weiter vorgehen sollten. Wir beschlossen ihn nochmals anzurufen und zu fragen ob wir uns nicht doch noch in Adelaide treffen könnten und warum er nur so wenig bezahlt, doch leider hatte er sein Handy über die Osterfeiertage abgeschaltet. Schlechtes Timing, denn Ostermontag wollten wir schon nach Kangaroo Island übersetzen. Mit knirschenden Zähnen schrieben wir ihm unsere Bankdaten per SMS und hofften, dass er uns das Geld überweist. Falls nicht bestände zumindest immer noch die Möglichkeit Geld von ihm einzutreiben wenn wir von Kangaroo Island zurückkommen.

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