Unterwegs mit einem Campervan

Es war Dienstag als wir unseren Campervan in Mascot, einem Vorort von Sydney, in Empfang nahmen. Der Camper war ein Mitsubischi Express mit 2,4Liter Motor und brandneu. Niemand hatte ihn vor uns benutzt und so waren sogar alle Utensilien, wie Geschirr und Besteck noch vollkommen unbenutzt. Zusätzlich haben wir noch zwei Campingstühle für 12$ gemietet und freundlicherweise haben wir einen Tisch gratis dazu bekommen. Nach einer kurzen Einweisung konnte die Fahrt auch schon losgehen. Die Eingewöhnung in das neue Fahrzeug machte mir glücklicherweise nicht viele Probleme bereitet. So bahnten wir uns unseren Weg durch die Vororte und folgten über Parramatta, Windsor und Richmond immer der Straße 40 in die Blue Mountains. Wir machten einen Stopp bei dem Walls Lookout und erreichten nach 3km gemütlichen Wanderns den Lookout, der einen spektakulären Ausblick auf tief unten liegende Tal bot. Dieser riesige Canyon erstreckte sich über viele Kilometer und anhand der senkrecht abfallenden Wände konnte man gut erahnen, welche Kräfte hier einst am Werk waren. Leider wurde am Nachmittag das Wetter deutlich schlechter und kälter und so bogen wir bei Lithgow auf die 32 ab. Wir ließen Blackheath und Katoomba  hinter uns und verbrachten unsere erste Nacht im Camper auf einem Rastplatz ein paar Kilometer weiter. Es war bitterkalt und wir waren froh über die dicken Schlafsäcke, die ebenso zur Ausrüstung des Campers gehörten, wie ein zweiflammiger Gaskocher, den wir seit dem zum Kochen unserer Mahlzeiten benutzten. Da viele Highways im Allgemeinen sehr langweilig waren, folgten wir am nächsten Tag kurz vor Penrith der Straße 73 und später noch kleineren Straßen immer Richtung Süden entlang des östlichen Randes des Blue Mountain National Park. Das Wetter wurde von Stunde zu Stunde besser und unter strahlendem Sonnenschein bogen wir Richtung Nattei ab, um den Braithwaite Lookout zu genießen. In den ehemaligen Kohletagebau hatte sich in der Zwischenzeit der Burragorang See gebildet und strahlte uns in einem tiefen Blau an. Nach zwei Tagen in den Bergen wurde es endlich Zeit für Sonne, Strand und Meer. Über Picton und Appin fuhren wir zunächst über den Princess Highway wieder ein Stück Richtung Sydney um dann schließlich wieder nach Stanwell Park abzubiegen. In den kleinen Ort suchten wir uns einen netten und versteckten Rastplatz direkt am Strand, wo wir auch den nächsten Tag noch verbrachten. Die Wellen hier waren groß und die Strömung stark, so dass man ordentlich zu kämpfen hatte um nicht weggespült zu wurden. Sollte dies trotzdem einmal geschehen, standen aber sofort Rettungsschwimmer bereit um einen zu retten. Viel schwimmen wollte man eh nicht, da das Wasser ausgesprochen kalt war. Zum Glück hielt das Wetter durch und wir hatten einen sehr sonnigen und warmen Tag. Am nächsten Morgen fuhren wir zum ersten Mal an die Tankstelle. Ich war schon kurz davor mich über den unglaublich hohen Benzinverbrauch von 18Litern zu beschweren doch es stellte sich heraus, dass der Benzintank nur 55 anstatt der angepriesenen 70Liter fasste und so fiel der Durchschnittsverbrauch auf akzeptable 10-11Liter pro 100Kilometer. Überhaupt war das Autofahren so günstig wie nie seit meiner Zeit in Australien, da der Normalbenzin nur ca. um die 1,25$ pro Liter kostete. Umgerechnet waren das nur ca. 70Eurocent. Nach ordentlich Erholung am Strand folgten wir am nächsten Tag der Strasse 68 und 60 Richtung Süden nach Wollongong. Nach ein verzweifelter Irrfahrt und Befragung eines Einheimischen, fanden wir schließlich den größten buddhistischen Tempel in der südlichen Hemisphäre in einem Ort namens Berkeley südlich von Wollongong. Mitten im Grünen stand der sehr gut hergerichtete Tempel Besuchern aus der ganzen Welt offen. Buddhistische Weisheiten über Zufriedenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit konnte man über den ganzen Komplex verteilt lesen. Was mir besonders auffiel war, dass die meisten Figuren dieser Glaubensform ein lächelndes Gesicht hatten. Ganz im Gegensatz zum christlichen Glauben, wo die meisten Figuren eher leiden oder unzufrieden aussehen.
Danach machten wir noch ordentlich Meter, folgten der 48 bis Moss Vale und da auf den Hume Highway. Goulburne ließen wir links liegen und fuhren über den Federal Highway bis zu einem Rastplatz am Lake George. Seltsamerweise war dieser aber nicht da. Durch ein Hinweisschild erfuhren wir, dass dieser See je nach Witterungsverhältnissen entweder da oder vollkommen ausgetrocknet ist. Australien ist schon ein verrücktes Land. Jedenfalls schlugen wir unsere Zelte auf.

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