Von verschwundenen Tempeln und Seen

Nachdem ich lang und breit das Orakel (meinen lonely planet-Reiseführer) befragt hatte, stand unser Programm für die nächsten Tage fest. Am Freitagmorgen nahmen wir Abschied von unserer Bucht in Stanwell Park, erlaubten uns noch ein Bad im Ozean, packten den Camper und starteten südwärts Richtung Wollongong. Dort wollten wir den größten buddhistischen Tempel der südlichen Hemisphäre besichtigen, dann weiter ins Landesinnere nach Goulburn fahren, um eine Tour durch die älteste Brauerei Australiens mitzumachen und – bei ausreichend Zeit – später noch bei einem Wasserfall vorbeizuschauen. Tagesziel war Lake George, etwa 40 Kilometer vor den Toren von Canberra.
Nach Baden, Frühstück und Einkauf – wir mussten alle unsere Vorräte auffüllen – kamen wir allerdings ziemlich spät in die Puschen und machten uns weit nach Mittag in Woolongong auf die Suche nach dem in keiner Karte verzeichneten Tempel. Wir kannten nur die Himmelsrichtung und vertrauten auf die Ausschilderung einer so gewichtigen Sehenswürdigkeit. Das war allerdings ein Fehler, denn wir kamen erst nach einstündiger Zick-Zack-Tour und dank der Hilfe eines freundlichen Stadtteilbewohners ans Ziel. Wirklich spannend war der Tempelbesuch für keinen von uns beiden, da wir keinen Schimmer von den Hintergründen der buddhistischen Religion haben und dementsprechend ratlos vor den diversen Figuren und Bildern standen. Alles, was ich zu den knallbunten Teppichen, den pastellfarbenen Wandmalereien und den goldenen Figürchen im Tempelmuseum sagen kann, ist: So möchte ich mein Wohnzimmer unter keinen Umständen eingerichtet haben.
Die weiteren Programmpunkte mussten wegen der fortgeschrittenen Zeit ausfallen. Kein Bier, kein Wasserfall. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir den als Nachtstopp auserkorenen Rastplatz am Lake George. Dort war so weit alles Nötige vorhanden – allein, es fehlte der See. Eine Informationstafel klärte uns darüber auf, dass die riesige Wasserfläche, die in der Straßenkarte mit beachtlichen Ausmaßen eingezeichnet war, gelegentlich komplett trocken fällt. Eine solche Phase hatten wir offenbar gerade erwischt. Nachdem wir uns ausreichend gewundert und über die Mogelpackung beschwert hatten, warfen wir die Barbecue-Platte an (ein äußerst nützlicher Service an fast allen Rastplätzen, einfach per Knopfdruck zu erhitzen) und bruzelten im letzten Tageslicht unser Abendessen.
Unseren Camper kennen wir inzwischen aus dem ff, alles hat seinen Platz gefunden, in der Küche (einer kleinen Theke mit Fächern für Kühlbox, Gaskocher und Spüle im Fahrzeugheck), im Schlafzimmer (der Liegefläche zwischen Küche und Fahrerkabine) und im begehbaren Kleiderschrank (einer kleinen Plastikkiste, in der ich einen Teil meiner Klamotten untergebracht habe). Langsam bekommen die einzelnen Utensilien auch Namen; die Kühlbox beispielsweise heißt Willow und der Abwachschwamm selbstverständlich Sponge Bob.
In dieser Nacht hörte ich lange dem Regen zu, der auf unser Autodach trommelte (ich hatte nach 18 Uhr noch einen großen Kaffee getrunken), und wälzte noch einmal die Informationen herum, die ich im Orakel über die australische Hauptstadt gefunden hatte. Die kommenden beiden Tage hatten wir für Erkundungen in Canberra reserviert.

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