Wo bitte geht’s zur nächsten Dusche?

Morgens aus dem Camper fallen, Shorts an, Eier bruzeln fürs Frühstück, ein bisschen frisches Obst dazu, falls Ozean oder See in der Nähe sind, noch ein kurzes Bad, und dann gemütlich weiterreisen – das hat einen kaum zu überbietenden Erholungseffekt. Wir sind alles andere als luxuriös unterwegs, aber wir müssen uns auch nur darum sorgen, dass ein paar Lebensmittel in der Kühlbox und ausreichend Benzin im Tank sind.
Als ich Mittwochmorgen aus dem Lake Jindabyne stieg, hatte Robin schon den Teig für die Eierkuchen zusammengerührt. Nach ausführlichem Frühstück machten wir uns für einen langen Tag auf der Straße fertig – wir fuhren auf der Great Alpine Road in großem Bogen durch die Snowy Mountains, teils im Tal mitten durch den Busch, teils auf Kammwegen bis hinauf zum laut Eigenwerbung höchstgelegenen Ort Australiens. Weite Teile des Nationalparks müssen irgendwann in den vergangenen Jahren abgebrannt sein, denn gelegentlich fuhren wir kilometerweit durch Geisterwälder, bestehend einzig aus den blätterlosen, silbern glänzenden Stämmen der Eukalyptusbäume. Wie wir auf Infotafeln erfuhren, ist das aber kein Grund zur Sorge. Der Wald denkt mit und hat sich so präpariert, dass die vermeintlich toten Stämme wieder austreiben. An diesem Abend verließen wir den Nationalpark Richtung Küste, da wir uns nach der Bergtour wieder mal reif für einen faulen Strandtag fühlten. Der Himmel war morgens inzwischen zuverlässig quietscheblank geputzt, und die Temperaturen bewegten sich auf die 30 Grad zu.
Der Ozean lag ein gutes Stück entfernt, sodass wir auf halbem Weg noch einen Nacht-Stop einlegen mussten. Damit verbunden die übliche Frage: Wo gibt’s wenigstens so etwas ähnliches wie eine Dusche, um sich morgens halbwegs renovieren zu können? Wir stoppten nach mehreren no-goes schließlich auf einem Rastplatz in Bamboka, direkt neben einem Sportplatz. Toiletten hatten wir schon schönere gesehen, aber es gab ein Duschhäuschen, an dem immerhin die Männerkabine unverschlossen war. In der Annahme, dass abends um neun nicht mehr die gesamte Fußballmannschaft von Bamboka zum Duschen vorbeischauen würde, begab ich mich also für eine halbe Stunde ins Männerspa, um ein kleines Wellnessprogramm zu absolvieren. Das Haarewaschen hätte ich gleich mit erledigen sollen, denn als wir am nächsten Morgen aufwachten, waren zwar nicht die Fußballer da, dafür aber die Klempner, und als die wieder abfuhren, waren Wasser und Strom komplett abgestellt. Heute Abend sitzen wir übrigens nahe Melbourne auf einem Campingplatz mit Duschen, in denen man Musik hören kann. Wir werden den ungewohnten Luxus ausführlich genießen, bevor wir morgen schon wieder weiter reisen. Robin plant, extra eine Stunde früher aufzustehen.
Am gestrigen Tag hatten wir entgegen unserer Pläne nur ein Stündchen am Strand gelegen und dann noch einmal ordentlich Kilometer geschrubbt, denn unser Versuch zum Faulenzen am Meer war kläglich gescheitert. An einem windigen Strandabschnitt nördlich von Eden brauchte es keine halbe Stunde, bis wir vollständig paniert waren. Der feine Sand streute auch in Augen, Nase und Mund, letzteres verbunden mit einem schönen Knirsch-Geräusch zwischen den Zähnen. Kurz vor dem Ersticken und auch ein wenig unleidlich brachen wir schon am frühen Nachmittag auf (nicht ohne vorher die leicht angesifften, aber immerhin vorhandenen Duschmöglichkeiten genutzt zu haben) und arbeiteten uns auf dem Highway Nr. 1 ins schwülwarme Victoria vor. Am Abend landeten wir in Lake Entrance, wo wir auf dem Hafenparkplatz sogleich verdächtigt wurden, Autos aufbrechen zu wollen.
Über Nacht kippte das Wetter. Wir konnten eben noch im Trockenen frühstücken (übrigens bei großartigem Blick auf den Anfang des 19 Miles Beach) und den Camper starten, bevor es ausgiebig zu regnen begann. Mit kaum 20 Grad wurde es auch ungewohnt frisch, und wir mussten die langen Hosen auspacken. Während Robin am Steuer saß, befragte ich ausführlich das Orakel, um Pläne für die nächsten Tage zu machen. In Sale gönnten wir uns eine Pause mit Cappuccino und Hot Chocolate und hielten Lagebesprechung. Weil übers Wochenende kühles, regnerisches Wetter angesagt war, wollten wir am Samstag schon einmal Melbourne (unseren Zielpunkt in anderthalb Wochen) einen Tagesbesuch abstatten. Dann sollte es weiter gehen in die Goldfields westlich von Melbourne gehen, wo wir etwa drei Tage abzubummeln gedachten. Die restliche Zeit sollte der Great Ocean Road und schließlich dem Abschied in Melbourne vorbehalten bleiben. Die Wetteraussichten werden ab Montag zum Glück deutliche besser. Gippsland (zwischen Ostküste und Melbourne), dass wir heute durchquerten, eignete sich leider ausschließlich zum schnellen Durchfahren: Die Landschaft war langweilig und die Städte fanden noch nicht mal in meinem ziegelsteingroßen Reiseführer, in dem ansonsten wirklich jeder Grashalm verzeichnet ist, Erwähnung.)
Inzwischen habe ich übrigens die ersten Meilen im Linksverkehr absolviert – wider Erwarten ohne Pannen und Blessuren. Robin hatte sich bei meinem ersten Versuch zwar auf großes Kino eingestellt (fehlte nur noch, dass er sich eine Tüte Popcorn gekauft hätte), musste allerdings auf unterhaltsame Fahrfehler verzichten. So können wir uns bei Bedarf am Steuer abwechseln.
Nicht minder wichtig: Ich habe endlich das erste Känguru zu Gesicht bekommen. Es konnte sich nicht schnell genug davon machen, weil rechts die Leitplanke und links der Abgrund war. Vorher hatte ich lediglich drei tote Exemplare (zwei auf der Straße und eins mit den Füßen nach oben in einem Zaun) sowie die Rückseite eines davon hüpfenden Tiers gesehen. Wenig später passierten wir auch ein Wombat von beachtlicher Größe, auch das allerdings nicht mehr unter den Lebenden, sondern am Straßenrand liegend, allen vier Extremitäten gen Himmel gestreckt.

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Toten Hosen Dezember 25, 2008 um 21:00 Uhr

Die armen Kängurus :((

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didi März 5, 2016 um 21:33 Uhr

du machst dir sorgen

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