Wir hatten also einen Job auf einer Baustelle bekommen. Diese lag in Morley, einem Vorort von Perth. Um 5.30Uhr morgens klingelte mein Wecker, und riss mich aus dem Tiefschlaf. Ich schleppte mich unter die heiße Dusche, um die Kälte der Nacht abzuwaschen und den Körper in Schwung zu bringen. Das schöne am zeitigen Aufstehen ist, dass das gesamte Hostel noch schläft und man in aller Ruhe seine Sachen erledigen kann. Der Nachteil ist, dass das eigentlich kostenlose Frühstück ausfällt, denn die Sachen werden von den Mitarbeitern weggeschlossen und erst gegen halb acht wieder freigegeben. So mussten wir also wieder auf Selbstversorgung umschalten. Kurz nach 6Uhr machten wir uns auf den Weg. Es war noch dunkel, und die sonst so überfüllten Straßen waren wie leergefegt. Schaute man allerdings nach Osten, konnte man schon die ersten Sonnenstrahlen des jungen Tages erkennen. Die Temperaturen lagen kaum über dem Gefrierpunkt und ließen uns kräftig zittern. Unser Ziel war eine Baustelle direkt in einem riesigen Einkaufszentrum. Wir waren früh dran, schwere dunkle Wolken zogen am Himmel über uns vorbei und kündigten Regen an. Unser Chef traf wenige Minuten nach uns ein. Er erklärte uns unsere Aufgaben, die im wesentlichen darin bestanden, die Baustelle zu säubern und hier und da mal mit eine hilfreiche Hand zu geben. Ich unterhielt mich mit unserem Chef und fragte ihn, wie lange wir denn für ihn arbeiten könnten? „Nur diesen einen Tag.“, war die erschütternde Antwort. Ich konnte es nicht fassen, denn natürlich wurde dieses kleine Detail von dem Joboffice unterschlagen. Arne und ich entschieden uns daraufhin es wie alle anderen auf der Baustelle zu machen und einfach einen Gang runterzuschalten. Niemand war hier wirklich ernsthaft am Arbeiten, also wieso sollten wir es anders machen, besonders da es sowieso unser einziger Tag war. Wir ließen uns also Zeit, legten oft Pausen ein und machten uns, natürlich auf Deutsch, über die australische Arbeitsmoral. Trotz unserer halbherzigen Arbeitsweise war unser Chef zufrieden mit uns. Am Ende des Tages sagte er, dass wir entweder am nächsten Tag beide zurückkommen könnten um einen halben Tag zu arbeiten, oder nur einer von uns könnte einen ganzen Tag arbeiten. Da Arne gerne noch ein paar Sachen erledigten wollte, unter anderem seinen Flug zurück nach Deutschland auf das kommende Wochenende vorzuverlegen, meldete ich mich freiwillig. Gegen 15Uhr war Feierabend, wir kauften noch Sachen für unser Abendessen ein und fuhren zurück ins Hostel. Etwas später am Abend klingelte mein Handy. Die Frau vom Joboffice hatte einen neuen Job für mich. Da ich aber bereits für den nächsten Tag zugesagt hatte, verwies ich sie an Arne. Diese hatte eigentlich schon mit ganz Australien abgeschlossen, ließ sich aber trotzdem zu dem Job überreden. Er sollte die nächsten zwei Tage für das gleiche Bauunternehmen aber auf einer anderen Baustelle arbeiten. Seit dem arbeiteten wir getrennt. Der nächste Tag war genauso relaxt wie der Tag davor und mein Chef fragte mich am Ende, ob ich nicht am nächsten Tag wiederkommen könnte. Ich sagte zu. Und so ging es weiter. Die Arbeit unglaublich einfach, man konnte immer wieder Pausen einlegen und verdiente auch noch satte 21$ die Stunde. Schade, dass es nur 8 Stunden pro Tag waren, ich hätte lieber 9 bis 10 gearbeitet. Aber ich konnte nichts machen, denn alle anderen Arbeiter verließen die Baustelle bereits gegen 14Uhr. Natürlich möchte ich euch nicht das unbestrittene Highlight meiner ersten Tage auf der Baustelle vorenthalten. In einer Grube arbeiteten zwei Klempner daran, zwei riesige Dieselpumpen zu installieren. Nebenbei hatten sie ein Radio laufen. Und ich schwöre euch, ihr habt nicht richtig gelebt, bevor ihr nicht auch zwei Klempner drei Meter unter der Erdoberfläche das Lied „I don’t want to miss a thing“ von Aerosmith habt singen hören. Ein Erlebnis, dass ich sicherlich nicht so schnell vergessen würde.