Am nächsten Morgen fuhr ich zunächst Luca zum Probearbeiten. Arne war bereits ein paar Stunden früher aufgestanden, da sein Arbeitgeber ihn schon kurz nach 5 Uhr morgens abholte.

Ich traf mich gegen 9 Uhr mit John, Vanessa und Gita zu unserem gemeinsamen Ausflug. Aber wie sollte es auch anders sein, ich war seit fast einem Monat in Broome und habe seit dem nicht eine einzige Wolke gesehen, doch ausgerechnet an diesem Tag war es windig, kalt und es regnete. Wir fuhren trotzdem, denn ich wollte meine Bewerbung unbedingt bei der Willie Creek Pearl Farm abgeben, die ca. 45 Minuten außerhalb von Broome liegt.

Ein Teil der Strecke war ungeteert und es gab jede Menge Wellblech das unseren guten alten Range Rover ordentlich durchschüttelte. Da wir das Auto verkaufen wollten, betete ich, dass nichts kaputt gehen würde.

Die Perlenfarm an sich ist ein einzelnes, dafür sehr schön hergerichtetes Haus in dem sich unter anderem ein Cafe und ein Verkaufsraum befinden. Direkt daneben gab es eine kleine Bootsanlegestelle von der aus geführte Touren angeboten wurden, um dem Touristen so viel wie möglich über Perlen und Pearling zu zeigen.

Alle Mitarbeiter trugen Uniformen und sahen aus wie frisch aus dem Ei gepellt. Ich wollte mich bewerben und kam mir mit meinen kurzen Hosen und T-Shirt wie der letzte Penner vor. Zum Glück erfuhr ich aber von der Helikopterpilotin, die für Willie Creek arbeitete, dass alle Bewerbungen im Ausstellungsraum in Broome angenommen werden. Das gab mir die Chance meine Kleidung zumindest etwas anzupassen.

Da wir keine Tour gebucht hatten gab es sonst für uns nicht wirklich viel zu sehen. Deshalb fuhren wir noch etwas weiter nördlich. Über Stock und Stein ging es dann an verschiedene Strände, doch das Wetter war so schlecht, dass wir bald wieder Kehrt machten. Das geplante Schnorcheln fiel buchstäblich ins Wasser.

Gegen 15 Uhr waren wir wieder zurück in Broome. Ich setzte die anderen bei ihrem Hostel ab und fuhr zurück zum Campingplatz. Arne war bereits zurück. Er war sehr müde und versuchte etwas Schlaf nachzuholen.

Er erzählte mir, dass er einige Probleme mit dem fahren des Kleinbus hatte, sich viel zu sehr konzentrieren musste und zu müde war um mit den Fahrgästen zu reden. Dies blieb nicht ohne Folgen. Wenig später rief sein Arbeitgeber an und teilte ihm mit, dass er ihn doch nicht für den Job haben möchte. So wurde Arne nach nur einem halben Tag gefeuert. Wenigstens hatte er dafür noch $60 bekommen.

Arne war den restlichen Abend ziemlich frustriert. Bei Luca lief es besser. Sein Probetag lief sehr gut und als Entlohnung hatte man ihm $180 bar in die Hand gedrückt. Fest hatte er den Job noch nicht, aber am Montag (es war gerade Freitag) sollte er wieder erscheinen und dann sollten die Details ausgehandelt werden.

Wieder fuhren wir ins Hostel, Luca spendierte eine 24er Packung Tooheys Extra Dry. Wir tranken, quatschten und gingen betrunken zu Bett.


Am nächsten Tag suchten Arne und ich weiter nach Jobs, fanden aber nichts. Anschließend fuhren wir Bastian zum Strand. Arne musste am Nachmittag wieder zu seinem Barkeeper Job beim Pferderennen. Er hatte allerdings noch einen mächtigen Kater vom Vorabend. Wir konnten auch nicht wirklich schlafen, da unsere Zeltnachbarn die Nacht durchmachten und so laut waren, dass wir kein Auge zubekamen.

Arne wollte daraufhin Absagen, doch mit Hilfe von Koffeintabletten aus der Apotheke konnte er doch noch zur Arbeit erscheinen. Zum Glück hatte unser Campingplatz kostenlose Eintrittskarten für das Pferderennen verteilt und so folgten wir nur wenig später.

Es war nur eine relativ kleine Veranstaltung, doch wir genossen es sehr mal wieder vom Alltag abgelenkt zu werden. Luca, Bastian und Gita versuchten ihr Glück und setzten etwas Geld auf irgendwelche Pferde. Sie gewannen nichts, nur Gita hatte Glück. Aber durch den geringen Einsatz von $1 war es nicht wirklich lohnenswert.

Ich wollte Arne besuchen. Dieser arbeitete allerdings in einem gesonderten Bereich, den man als normaler Gast nicht betreten durfte. Ich sprach mit der Security. Ich erzählte dem Muskelpaket, dass ein Freund von mir an der Bar arbeitet und ich ihn gern mal fragen würde wie denn alles so läuft. Er überlegt kurz und ließ mich dann doch passieren. Tja, mit manchen Leuten lässt sich echt reden.

Ich besuchte Arne an der Bar, er war hellwach. Die Tablette schien ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Ich traf auch auf Mac, unseren Arbeitgeber von vor ein paar Tagen, dem wir geholfen hatten die Stoffdächer aufzuspannen. Wir quatschten etwas über die schönen Frauen die sich hier aufhielten und ich fragte ihn nach ein paar Wett Tipps. Da er aber bisher auch nur verloren hatte, sparte ich mir mein knappes Geld lieber.

Auf dem Weg zurück zum Hostel kauften wir noch schnell etwas für das Barbecue ein, das für diesen Abend angesetzt war. Und natürlich gab es zu Würstchen, Steak und Kebabspießen auch das passende Bier.


Selbst in Australien ist sonntags nicht sonderlich viel los, und so entschlossen wir uns kurzerhand mit Bastian und Gita an den Strand zu fahren. Unterwegs schauten wir noch bei einem Strandbuggyverleih vorbei. Wir hatten die Idee uns einen viersitzigen Buggy für einen Tag zu mieten um wenigstens etwas die Zeit in Broome zu genießen. Für nur $130 plus Sprit konnte man sich ein solches Gefährt pro Tag mieten. Ein sehr günstiges Angebot, doch da es bereits Mittag war verschoben wir das Ausleihen auf das nächste Wochenende.

Wir schauten ebenfalls bei einem Bootsverleih vorbei. Dies war natürlich weitaus teurer, aber dennoch erschwinglich. Ein Motorboot für 4 Leute konnte man sich für $300 mieten, dazu kommen noch Spritkosten und die Gebühren für das Auf- und Abladen des Bootes. Leider brauchte man seit Mai diesen Jahres einen Bootsführerschein um so ein Boot fahren zu dürfen. Zu blöd, denn keiner von uns besaß einen. Diese Idee legten wir daraufhin zunächst einmal auf Eis.

Ein paar Stunden verbrachten wir am Strand und wie letzten Tagen auch, fuhren wir zu den anderen ins Hostel um diesmal Spätzle mit einer Pilzsahnesoße zu kochen. Unglaublich lecker. Da uns zwei Leute aus unserer Runde am nächsten Tag verlassen wollten, gingen wir noch etwas das Nachtleben von Broome erkunden.

Unser Weg führte uns zunächst in das Matsos. Ein Pub, in dem es unglaublich gutes Mangobier gab. Ich wollte es zuerst nicht glauben, aber der Geschmack von Mango und Bier passt hervorragend zusammen.

Luca trank ein Chilibier. Ich versuchte nur einen ganz kleinen Schluck davon zu trinken, aber schon davon hat es mir den kompletten Mund unter Feuer gesetzt. Luca mochte es sehr, aber ich bevorzugte das süßlich-leckere Mangobier.

Zum Schluss statteten wir dem Pearlers einen Besuch ab. Das Pearlers ist eine sehr schöne Bar mit guter Livemusik. Da wir allerdings am nächsten Morgen wieder früh raus mussten, wegen der Jobsuche, war der Abend für uns bereits gegen Mitternacht zu Ende.