Die beste Nacht in Alice

Am vorletzten Abend gab es eine Überraschung, wir saßen gerade in unserem Auto auf dem Campingplatz und waren in unsere Bücher vertieft, als es an die Heckscheibe klopfte. „Jan Arne Rabe“, tönte es in einem seltsamen Akzent. Wir drehten uns um da standen die beiden dänischen Mädels, die wir auf Kangaroo Island getroffen hatten. Über Facebook standen wir miteinander in Kontakt und wir wussten, dass sie auf dem Weg nach Alice waren, wir wussten aber nicht, wann sie da ankommen würden. Sie hatten sich auf einem Campingplatz in der Nähe niedergelassen. Es folgten die üblichen Fragen: „Wie gehts euch? Was habt ihr alles gesehen? Wieviel habt ihr bei Gordon verdient?“. Dann fragten sie, ob wir Lust hätten mit in die Stadt zu gehen um Party zu machen. Da Luca und Arne aber bereits ins Kino gehen wollten, war ich der Einzige der zusagte. Wir verblieben zunächst dabei, dass ich mit den Mädels auf ihrem Campingplatz noch ein paar Bier trinke und Luca und Arne nach dem Kino uns abholen sollten um dann gemeinsam feiern zu gehen. Während die Jungs ins Kino fuhren folgte ich den Mädels. Wir tranken ein paar Bier und quatschten über alle möglichen Dinge, bis schließ das Handy klingelte. Arne und Luca warteten am Eingang des Campingplatzes um uns abzuholen. Wir fuhren in die Stadt und hielten an einer Bar. Ich hatte keine Ahnung warum, aber aus irgendeinem Grund hatten Luca und Arne keine Lust auf Party. Deshalb setzten sie mich und die Mädels ab und fuhren zurück zum Campingplatz. „Scheiß egal.“, dachte ich mir und folgte den beiden Mädels in die Bar. Circa 30 bis 40 Leute tanzten, feierten und tranken was das Zeug hielt, und wir waren mittendrin und machten ordentlich mit. Leider sind meine Erinnerungen an den Abend etwas lückenhaft, da ich doch ordentlich getrunken hatte. Ich weiß noch wie ich mit einer Engländerin ein Trinkspiel spielte, sie mir ihren Weißwein in mein Bier schüttete und meinte, dass ich das ich es trinken sollte. „Okay.“, sagte ich und schluckte das widerliche Gemisch herunter. Ich weiß noch, dass sie mit mir redete und mir ihr Handy in die Finger drückte, wahrscheinlich wollte sie meine Handynummer oder meine Mailadresse aber ich war zu betrunken und bekam es einfach nicht gebacken auch nur eine der beiden Sachen weiterzugeben. Danach war sie weg. „Was solls.“, dachte ich mir und feierte weiter. Irgendwann endete der Abend aber abrupt, als eine der beiden dänischen Mädels zum wiederholten Male anfing auf einer der Bänke zu tanzen und daraufhin von der Security hinausgeworfen wurde. Die Mädels nahmen ein Taxi und boten mir an mit ihnen zu fahren. Mir war aber klar, dass es besser wäre zu laufen, da ich dringend etwas ausnüchtern müsste. So lief ich die 5Kilometer zurück zu meinem Campingplatz. Keine Ahnung wie lange ich unterwegs war, aber mir kam es wie 5Minuten vor. Schon komisch wie Alkohol die Zeit verzerren kann. Ich weiß aber, dass ich eine Weile auf den Gleisen der Ghan lief, nur um sie einmal zu berühren. Erstaunlich das ich in diesem Zustand noch so ein gutes Gefühl für Geschichte hatte und ich noch soweit voraus denken konnte, um zu wissen dass wir das Ghan Museum wahrscheinlich nie besichtigen werden.
Am nächsten Morgen wachte ich in unserem Zelt auf. Es folgte der obligatorische Zustandscheck des Körpers, angefangen bei den Füßen.
Füße: keine Schmerzen, Schuhe ausgezogen…check.
Beine: Schmerzende Oberschenkel Suche im Gedächtnis nach möglicher Ursache: Tanzen, zurück gelaufen, keine StürzeZustand daher durchaus normal…check.
Magen: leichtes UnwohlseinSuche im Gedächtnis nach möglicher Ursache: zu viel AlkoholZustand daher normal…check.
Darm/Blase: Druck in beiden RegionenEmpfehlung möglichst bald die Toilette aufzusuchen,…check.
Brust: Atmung normal…check.
Arme: keine Schmerzen…check.
Kopf: leichte KopfschmerzenSuche im Gedächtnis nach möglicher Ursache: der Weißwein in meinem Bier…check.
Mein allgemeiner Zustand war durchaus annehmbar, besonders wenn man bedenkt, dass ich jetzt genau weiß, wieviel ich von dem dünneren australischen Bier vertrage, es sind genau 10Stück. Doch noch gab es keinen Grund zum jubeln, denn wieder Gelegenheitstrinker weiß, fehlt noch ein letzter Test. Ich drehte meinen Körper ruckartig um 180Grad um die eigene Längsachse um herauszufinden, ob er sich auch in Bewegung noch „annehmbar“ anfühlt. Leider war dem nicht so. Ein Schwindelgefühl in meinem Kopf, was sich sofort auch auf eine Verschlechterung des Zustandes meines Magen auswirkte war die Folge. Ich stand auf und   begab mich Richtung Toiletten, denn falls ich mich doch noch übergeben sollte, wäre ich wenigstens am richtigen Ort. Zittrig und schwankend versuchte ich aus dem Zelt zu gelangen. Ich verlor das Gleichgewicht als ob mich eine unsichtbare wieder nach hinten ziehen würde. Zum Glück konnte ich mich gerade noch abfangen, denn sonst ich hätte wahrscheinlich einen Teil des Zeltes einfach mit umgerissen. Ich schleppte mich auf die Toilette, danach aß ich erstmal ordentlich zum Frühstück und zum Schluss nahm ich eine lange Dusche. Danach fühlte ich mich wesentlich wohler. Die ganze Zeit über versuchte ich noch den vergangenen Abend zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen. Alle Details konnte ich nicht mehr nachvollziehen, aber den groben Überblick hatte ich wieder. Bevor am Abend nochmals das Kino besuchten, schauten wir bei den Mädels vorbei. Es schien sie wesentlich härter erwischt zu haben als mich. Übergeben, heftige Kopfschmerzen und allgemeine Übelkeit verfolgten sie den ganzen Tag.
Am nächsten Tag packten wir unsere Sachen und verliesen Alice Springs, allerdings war es bereits 15Uhr als wir wieder auf den Stuart Highway nach Norden einbogen, und so schafften wir gerade mal 300km bis wir erneut unser Zelt etwas abseits der Straße aufstellten.

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Kirstin September 24, 2012 um 15:51

Du hast eine herrliche Art zu schreiben. Macht richtig Spaß das zu lesen! 🙂

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