Eine Frage der Willensstärke

Die 7Tage, die wir uns auf dem Campingplatz eingemietet hatten waren um. Wir mussten uns entscheiden, ob wir noch eine weitere Woche auf dem versifften, doch dafür auch relativ billigen Campingplatz bleiben sollten, oder ob wir uns einen besseren, aber dafür auch teureren Campingplatz suchen sollten. Als wir darüber diskutierten traf Arne eine unerwartete Entscheidung. „Ich gehe für eine Woche zu den anderen ins Hostel.“. Eigentlich eine vollkommen unlogische Entscheidung, denn das Hostel war eindeutig die teuerste Variante von allen. Aber irgendwie konnten wir sie auch verstehen. Wir schliefen jetzt seit 4Monaten in einem Zelt, auf einer Luftmatratze, teilweise mitten in der Wildnis. Keiner von uns hatte wirklich Lust, weiterhin im Zelt zu schlafen. Wir kratzten unser letzten bisschen Geld zusammen und mieteten uns für 25$ die Nacht in das Roebuck Bay Hostel ein. Wenn wir schon untergehen, dann wenigstens im Luxus. Okay, es war kein wirklicher Luxus, doch wir freuten uns wie die Schneekönige über ein Bett, einen eigenen Kleiderschrank, eine Klimaanlage und eine Waschküche mit Bügeleisen.
Für alle von uns waren die vergangenen Wochen echt schwer. Wir wollten zwar arbeiten, und wir haben uns auch Mühe gegeben, doch wir stießen nur auf Ablehnung und irgendwann  kamen wir uns richtig nutzlos vor. Wir schlafften und stumpften regelrecht ab. Luca ging die ersten Wochen in Broome noch regelmäßig Joggen, doch mit der Zeit ließ auch das immer mehr nach. Ich hielt mich mit lesen und schreiben zumindest mental fit, aber auch das war irgendwann vorbei. Am schlimmsten hat allerdings Arne erwischt. Er war der jenige, der von uns am wenigsten Zeit hatte, denn er  wollte bereits im September zurückfliegen, hatte aber noch Pläne, die allerdings mit jeder Woche ohne Arbeit immer mehr verblassten. Er war ziemlich oft genervt und man merkte deutlich, dass er von allem die Schnauze gestrichen voll hatte. Außerdem hat er wieder mit dem Rauchen angefangen. Eigentlich hatte er im Februar aufgehört und das auch (mit ein paar Ausnahmen) sehr gut durchgehalten. Broome stellte uns wirklich vor eine große Herausforderung. Auch der Autoverkauf lief schleppend. Da wir kein Geld mehr hatten und auf den Erlös durch den Verkauf angewiesen waren, setzten wir schweren Herzens den Verkaufspreis auf 5200$ herunter. Jeder von uns schmiedete Pläne wie es weitergehen sollte, wenn sich nichts an unserer Situation ändern sollte. Arne wollte so lange wie irgendwie möglich in Broome bleiben, um auf einen Job zu hoffen. Wenn nötig, würde er Australien früher als geplant verlassen. Was sich Luca so überlegt hatte wusste ich nicht. Ich persönlich wollte mir entweder einer Mitfahrgelegenheit suchen oder Broome per Flugzeug Richtung Perth verlassen. Perth wäre mein letzter Versuch gewesen einen Job zu finden und genug Geld zu verdienen um das restliche Jahr in Australien zu bleiben. Würde das auch nicht funktionieren, würde ebenfalls vorzeitig zurück nach Deutschland fliegen. Die Chancen standen aber gut in Perth etwas zu finden, denn zum einen war Perth eine Stadt die stetig expandierte und dadurch immer neue Arbeitsplätze entstanden, und zum anderen war in Perth gerade Winter und die Temperaturen kletterten selten über die 20Grad. Und da die meisten Backpacker wärme Temperaturen bevorzugen, ist der tropische Norden Australiens zu dieser Jahreszeit ein beliebteres Reiseziel als der Süden.
Unsere Nerven lagen blank und wir konnten nicht mehr tun, als auf ein Wunder zu hoffen.

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